Quantencomputing entwickelt sich aus den Forschungslaboren zum Schwergewicht für Venture Capital. Weltweit flossen 2025 rund 12,6 Mrd. USD in Unternehmen aus dem Quantensektor. Das entspricht mehr als dem Sechsfachen des Vorjahres. Mit dem steigenden Kapital wächst auch der Druck, aus wissenschaftlichen Durchbrüchen kommerzielle Anwendungen zu machen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wer vom Aufbau dieser Industrie am meisten profitiert – Hersteller oder Lieferanten der Infrastruktur?

Intensiver Wettlauf um technologische Führung

Die Diskussion hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Früher ging es darum, ob Quantencomputer überhaupt praktische Probleme lösen können. Heute testen große Unternehmen konkrete Anwendungen.

JPMorgan Chase & Co. untersucht Quantenalgorithmen für das Risikomanagement. AstraZeneca plc arbeitet gemeinsam mit IonQ (ISIN: US46222L1089, WKN: A3C4QT) an Anwendungen für die Medikamentenentwicklung. nutzt Quantensoftware für Optimierungsaufgaben in der Fahrzeugentwicklung. Weltweit arbeiten inzwischen mehr als 300 Industrieunternehmen mit Anbietern aus dem Quantenbereich zusammen. Marktstudien schätzen den wirtschaftlichen Nutzen von Quantencomputing bis 2035 auf 1,3 bis 2,7 Billionen USD. Entsprechend intensiv ist der Wettlauf um die technologische Führungsrolle geworden.

Google, IBM und Quantinuum treiben Wettbewerb voran

Die Schlagzeilen dominieren derzeit die Systembauer. Alphabet (ISIN: US02079K3059, WKN: A14Y6F) sorgte 2025 mit seinem Willow-Chip für Aufmerksamkeit. IBM (ISIN: US4592001014, WKN: 851399) verfolgt einen konkreten Fahrplan für fehlertolerante Quantencomputer bis 2029. Quantinuum meldete mit seinem Helios-System neue Rekorde bei der Genauigkeit.

Der Wettbewerb um die leistungsfähigste Maschine wird oft mit dem Rennen um die ersten KI-Chips verglichen. Doch hinter den Schlagzeilen entsteht ein zweiter lukrativer Markt, der in der Regel deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält.

Der eigentliche Engpass liegt im Inneren der Maschinen

Moderne Quantencomputer arbeiten bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt. In dieser Umgebung reagieren die Qubits extrem empfindlich auf äußere Einflüsse. Bereits minimale Störungen können Rechenfehler verursachen.

Damit rückt eine Komponente in den Mittelpunkt, über die außerhalb der Fachwelt kaum gesprochen wird: die Signalverarbeitung. Die Steuersignale müssen präzise in die kryogene Umgebung gelangen und anschließend wieder ausgelesen werden. Gleichzeitig muss das entstehende Rauschen möglichst gering bleiben.

Genau an dieser Stelle stößt die Branche derzeit an Grenzen. Die benötigten Spezialchips gehören zu den technisch anspruchsvollsten Komponenten eines Quantencomputers. Besonders die zweite Verstärkungsstufe zwischen Kryostat und Auswerteelektronik gilt als Bereich, in dem bislang nur wenige Anbieter aktiv sind.

Anleger entdecken das Rückgrat des Booms

Dass dieser Markt zunehmend Aufmerksamkeit erhält, zeigte zuletzt eine Finanzierungsrunde in Europa. Das niederländische Unternehmen QuantWare sammelte 178 Mio. USD ein – die bislang größte Finanzierung im Bereich Quantenhardware. Zu den Investoren gehörten Intel Capital und In-Q-Tel, die Beteiligungsgesellschaft der US-Geheimdienste. QuantWare beliefert bereits Kunden in mehr als 20 Ländern mit modularen Quantenprozessoren. Die Finanzierung zeigt, wohin ein Teil des Kapitals inzwischen fließt: in die Infrastruktur der Branche.

Für Anleger ist das ein bekanntes Muster. Während des Goldrauschs verdienten oft die Lieferanten von Werkzeugen und Ausrüstung stabile Umsätze. Im Technologiesektor entstanden ähnliche Modelle bei Halbleiterausrüstern oder Cloud-Infrastruktur-Anbietern. Im Quantenmarkt könnte sich nun ein vergleichbarer Trend entwickeln.

QuantumCore arbeitet an einem der Flaschenhälse der Branche

Genau auf diesen Bereich konzentriert sich auch  QuantumCore (ISIN: CA74767F1045, WKN: A429HH). Das Unternehmen entwickelt spezialisierte Signalverarbeitungs-Chips für Quantencomputer. Ziel ist es, die Signalqualität in kryogenen Systemen zu verbessern und Störungen zu reduzieren.

Erst seit April 2026 an der Börse, folgte kürzlich mit der angekündigten Übernahme von Avalanche PhotoniQ ein wichtiger strategischer Schritt für QuantumCore. Durch die Transaktion erweitert das Unternehmen sein Produktportfolio um hochpräzise Einzelphotonen-Detektoren. Diese Bauteile werden für photonische Quantencomputer, Quantennetzwerke und sichere optische Kommunikation dringend benötigt.

Übernahme erweitert den adressierbaren Markt deutlich

Bislang konzentrierte sich QuantumCore vor allem auf supraleitende Quantenarchitekturen. Mit Avalanche PhotoniQ öffnet sich das Unternehmen zusätzlichen Technologiebereichen. Dazu gehören photonische Systeme, Ionenfallen und Architekturen auf Basis neutraler Atome. Der potenzielle Kundenkreis wird dadurch größer. Gleichzeitig reduziert sich die Abhängigkeit von einer einzelnen Technologieplattform.

Für junge Technologieunternehmen wie QuantumCore  ist das ein wichtiger Schritt, denn niemand kann heute mit Sicherheit sagen, welche Quantenarchitektur in zehn Jahren dominieren wird. Wer Komponenten für mehrere Ansätze liefern kann, verbessert seine Ausgangsposition erheblich.

Kein direkter Wettbewerb mit IonQ oder Rigetti

QuantumCore verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als viele bekannte Börsenunternehmen der Branche. IonQ, Rigetti Computing (ISIN: US76655K1034, WKN: A3DE3J) und D-Wave Quantum (ISIN: US26740W1099, WKN: A3DSV9) konkurrieren direkt um Kunden für ihre jeweiligen Quantencomputer. QuantumCore positioniert sich dagegen als Zulieferer und muss nicht darauf setzen, welche Architektur gewinnt. Entscheidend ist vielmehr, ob die produzierten Komponenten des Unternehmens in möglichst vielen Systemen eingesetzt werden können.

Bewertungslücke in Boomsektor

Aktuell wird QuantumCore mit rund 65 Mio. CAD bewertet. Das liegt deutlich unter den Bewertungen privater Unternehmen, die ähnliche Marktsegmente adressieren. QuantWare wird nach seiner jüngsten Finanzierungsrunde bereits mit einem Vielfachen dieser Größenordnung gehandelt. Natürlich sind solche Vergleiche nie eins zu eins möglich. Dennoch zeigt sich eine Bewertungslücke zwischen börsennotierten und privaten Anbietern in diesem Teil des Marktes. Hinzu kommt, dass QuantumCore derzeit die einzige börsennotierte Gesellschaft ist, die sich auf dieses spezielle Segment der Quantenhardware konzentriert. Für Anleger, die gezielt auf die Infrastrukturseite der Branche setzen möchten, gibt es bislang nur wenige direkte Alternativen.

Der Quantenmarkt wächst schneller als viele Beobachter noch vor wenigen Jahren erwartet hatten. Milliardeninvestitionen, Industriekooperationen und technologische Fortschritte sprechen dafür, dass die Branche die reine Forschungsphase hinter sich lässt. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich derzeit vor allem auf die Hersteller der Quantencomputer. Gleichzeitig entsteht im Hintergrund ein Markt für Spezialkomponenten, ohne die diese Systeme nicht zuverlässig funktionieren würden. QuantumCore positioniert sich genau an dieser Schnittstelle. Mit Börsengang, der Avalanche-Übernahme und einer Bewertung deutlich unter vergleichbaren privaten Unternehmen hat sich QuantumCore zuletzt stärker auf dem Radar von Tech-Investoren gebracht und wirkt durch den aktuellen Quantencomputing-Boom heute noch deutlich interessanter als noch vor wenigen Monaten.

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