Die Ölpreise haben in den letzten Monaten deutlich nachgegeben. Der Preisrückgang dürfte jedoch nicht von Dauer sein. Das Ende der No-Covid-Politik in China, die EU-Sanktionen gegen Russland, der G7-Preisdeckel und geringe Lagerbestände sprechen für eine kurz bevorstehende Rückkehr des Ölpreises über die 100-Dollar-Marke. Für viele Ölunternehmen bedeutet dies beste Geschäftsaussichten – wovon unter anderem Warren Buffett ausgeht. Wir nennen einige Ölaktien, mit denen Anleger auf die neue Rallye des schwarzen Goldes setzen können.

Chevron: Rekordgewinne, KGV knapp über 10  – und jetzt noch Venezuela

Die Aktie des US-Ölriesen Chevron (WKN: 852552, ISIN: US1667641005, Ticker: CVX) konnte seit Jahresbeginn deutlich zulegen. Im zweiten Quartal wurde ein Rekordgewinn vermeldet.

Auch das dritte Quartal bescherte hohe Gewinne – die sogar über den bereits anspruchsvollen Erwartungen der Analysten lagen. Chevron vermeldete einen Gewinn von 5,56 USD pro Aktie – nach 2,96 im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um 49,06 % auf 66,64 Mrd. USD zu.

Weiter steigende Ölpreise dürften dem besten positionierten Konzern noch höhere Profite bescheren. Dabei ist das Unternehmen schon jetzt moderat bewertet. Das 2023er KGV liegt bei Kursen um 175 EUR bei knapp über 10. Das hat auch Warren Buffett auf den Plan gerufen. Chevron ist steht im Berkshire Hathaway Portfolio mit einem Anteil von 9 % auf dem dritten Platz.

Ein ganz besonderes Bonbon sind neueste politische Entwicklungen. Die US-Regierung hat Chevron die Genehmigung zur Ölförderung in Venezuela erteilt. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen viel in dem ölreichen Land (die Ölreserven übersteigen jene Saudi-Arabiens) investiert. Chevron CEO Mike Wirth geht davon aus, dass die Wiederinbetriebnahme der Ölfelder „Monate und Jahre“ dauern wird. Zusätzliches Potenzial für die Zukunft also…

Exxon Mobil verdient jetzt fast so viel wie Apple

Die Aktie von Exxon Mobil (WKN: 852549, ISIN: US30231G1022, Ticker: XOM) befindet sich seit Herbst 2020 im Aufwind. Doch es könnte noch mehr gehen.

Die Umsatzdaten für das dritte Quartal waren beeindruckend. Exxon vermeldete einen Nettogewinn von 19,66 Mrd. USD bzw. 4,45 USD pro Aktie – nach 1,58 USD im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Apple verdiente im selben Zeitraum 20,7 Mrd. USD.

Exxons Umsatz legte um 51,89 % auf 112,07 Mrd. EUR zu. Damit lag der Ölriese aus Texas deutlich über den Erwartungen der Analysten. Diese hatten für das Quartal einen Gewinn je Aktie von 3,86 USD sowie einen Umsatz von 104,59 Milliarden USD erwartet.

Exxon ist nicht nur im Ölgeschäft stark vertreten – sondern auch einer der Marktführer im Bereich Flüssiggas. Erst Mitte November wurde die erste Ladung Flüssigerdgas aus dem 8-Milliarden-Dollar-Projekt Coral South Floating LNG (FLNG) vor der Küste Mosambiks verschifft.

Zu Kursen um 110 EUR ist die Aktie mit einem 2023er KGV von 10 bewertet. Die Dividende soll von 3,61 USD im Jahr 2022 auf 4,45 USD im Jahr 2025 ansteigen.

British Petroleum: KGV im mittleren einstelligen Bereich

Die Aktie von BP (WKN: 850517, ISIN: GB0007980591, Ticker: BPAQF) dürfte bei allen fundamental orientierten Anlegern derzeit ganz oben in den Marktscreens auftauchen. Obwohl der Aktienkurs seit dem Tief im Jahr 2020 um mehr als 150 % zugelegt hat, liegt das KGV bei Kursen um 5 GBP deutlich im einstelligen Bereich. Die Dividende soll auch in den kommenden Jahren angehoben werden, die Dividendenrendite liegt deutlich über 4 %. Zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm.

Die Ergebnisse im dritten Quartal waren auch im Kontext der günstigen Marktsituation ausgesprochen stark. Der Umsatz stieg von 37,87 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum auf 57,81 Mrd. USD, der bereinigte Gewinn stieg von 3,3 Mrd. USD auf 8,15 Mrd. USD.

Als diversifiziertes Energieunternehmen ist BP weit über das Ölgeschäft hinaus tätig – und auf Expansionskurs. Jüngste Entwicklungen: Über die Sparte BP pulse baut der Konzern in den USA zusammen mit Hertz ein Ladenetz für Elektroautos auf. Und mit  dem chinesischem Unternehmen Shenzhen Energy Group hat BP einen langfristigen Vertrag über den Verkauf von Flüssiggas (LNG) abgeschlossen, das in der Volksrepublik zur Stromerzeugung benötigt wird.

Saudi-Aramco: Gewinn-Gigant mit Kursschwäche

Saudi-Aramco (WKN: A2PVHD, ISIN: SA14TG012N1399) ist mit einer Marktkapitalisierung von knapp 2 Billionen USD der Gigant unter den Ölriesen. Der Aktienkurs hat sich deutlich schwächer entwickelt als bei anderen Ölunternehmen und liegt derzeit auf dem Niveau von Anfang Februar 2022.

Ein Blick auf die Gewinne ließe etwas anderes vermuten: Im dritten Quartal vermeldete das Unternehmen einen Gewinnanstieg um 40 % auf nicht weniger als 41,6 Mrd. USD. Vielleicht trübt aus Sicht der Aktionäre der Umstand, dass es im zweiten Quartal noch 48 Mrd. USD waren…

Die Perspektiven für Saudi-Aramco als maßgeblichem Ölunternehmen Saudi-Arabiens könnten nicht besser sein. Über die Opec+ hat das Land nach wie vor nicht unerheblichen Einfluss auf das weltweite Ölangebot. Und steigende Ölpreise spiegeln sich in den Gewinnen von Saudi-Aramco besonders deutlich wider, weil die Kosten der Ölproduktion in dem Land deutlich niedriger liegen als anderswo.

Zu Kursen um 33 SAR liegt das 2023er KGV bei knapp 13. Die Dividende soll in den kommenden Jahren maßvoll, aber kontinuierlich erhöht werden, so dass zu gegenwärtigen Kursen auf Dauer eine Dividendenrendite jenseits von 4 % im Raum steht.

Occidental Petroleum: Der neue Berkshire Hathaway-Liebling

Occidental Petroleum (WKN: 851921, ISIN: US6745991058, Ticker: OXY) ist der neue Liebling von Berkshire Hathaway. Warren Buffets Investmentfirma stockte die Anteile an dem in Houston ansässigen Öl- und Gasunternehmen in den vergangenen Quartalen auf. „OXY“ macht nun 4 % des Portfolios aus und landet damit auf dem sechsten Platz.

Die gute Geschäftslage hat dem Unternehmen eine weitreichende Reduzierung der Verschuldung ermöglicht. Seit Jahresbeginn wurden die ausstehenden Verbindlichkeiten um 9,6 Mrd. USD oder 34 % reduziert. Allein im dritten Quartal wurden zudem 28,4 Millionen eigene Aktien in Wert von 1,8 Mrd. USD zurückgekauft, im laufenden Gesamtjahr bereits 41,8 Millionen Aktien für 2,6 Mrd. USD.

Im dritten Quartal wurde ein bereinigter Gewinn von 2,44 USD pro Aktie erzielt, die Produktion von 1.180 Mboed übertraf die Prognose um 25 Mboed. Die Geschäftsprognose für alle Geschäftsbereiche (inklusive der Chemiesparte) wurde angehoben.

Die Dividendenrendite liegt derzeit – auch wegen der Ausgaben für Entschuldung und Aktienrückkäufe – unter 1 %. Die Ausschüttungen sollen sich in den kommenden drei Jahren allerdings fast verdoppeln. Gemessen am 2023er KGV von 9 ist Occidental Petroleum unter der Annahme deutlich steigender Ölpreise trotz des Kursgewinns von fast 150 % in den letzten zwölf Monaten immer noch akzeptabel bewertet.

Calima Energy: Mut zur Lücke mit KGV unter 1

Der Öl- und Gasproduzent Calima Energy (ASX: CE1, ISIN: AU000000CE10, WKN: A2DWL4) könnte eines der jungen Ölunternehmen aus der zweiten Reihe sein, die in die durch das Russland-Embargo entstehende Versorgungslücke springen. Das Unternehmen besitzt drei Projekte in der kanadischen Montney-Region, die sich vom Bundesstaat British Columbia bis nach Alberta erstreckt. Dort gibt es riesige Vorkommen.

Mit einer Marktkapitalisierung von lediglich 52 Mio. EUR ist Calima Energy ein aktuell sehr niedrig bewertetes Unternehmen. Deutlich wird dies auch an den wesentlichen Bilanzkennzahlen. Das KGV für 2023 liegt nach einem Kursrückgang um mehr als 25 % in den letzten zwölf Monaten deutlich unter 1, die Dividendenrendite über 8 %.

Für das dritte Quartal vermeldete Calima Energy eine Produktion von knapp 383.000 boe, 30,7 Mio. AUD Umsatz und einen freien Cash Flow von knapp 5,8 Mio. AUD. Zudem wurden weitere Fortschritte bei Bohrprogrammen und Produktion berichtet. Die Aktie gehört deshalb als Depotbeimischung für breit diversifizierte Energie-Anleger ins Portfolio.

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