Washington beschleunigt den Aufbau eigener Rohstofflieferketten. Anfang August kündigte die US-Regierung Investitionen und Vereinbarungen im Umfang von mehr als zwei Milliarden US-Dollar für Bergbau- und rohstoffnahe Projekte an. Seit Januar 2025 wurden nach Angaben des Weißen Hauses 160 Vereinbarungen im Mineralbereich mit einem Gesamtvolumen von fast 40 Milliarden US-Dollar unterzeichnet oder genehmigt. Damit wächst zugleich der Kapitalbedarf für Minen, Verarbeitungskapazitäten und die nachgelagerte Industrie. Die Finanzierung kommt dabei zunehmend aus mehreren Richtungen. Staatliche Programme treffen auf Private Equity, strategische Investoren und große Rohstoffkonzerne, die sich Zugang zu Kupfer, Lithium, Seltenen Erden oder Mangan sichern wollen. Allein der Wert der Private-Equity- und Venture-Capital-Transaktionen im Metall- und Bergbausektor erreichte laut S&P Global im ersten Quartal 2026 rund 9,09 Milliarden US-Dollar. Für die Branche entsteht daraus ein neuer Investitionszyklus. Rohstoffsicherheit wird zunehmend zur Industrie- und Sicherheitspolitik, während privates Kapital einen wachsenden Teil der benötigten Finanzierung bereitstellt.
Washington investiert direkt in Rohstoffbasis
Die US-Regierung setzt inzwischen verstärkt eigenes Kapital ein. Zu den Anfang August angekündigten Maßnahmen gehören Investitionen in Bauxit, Magnetproduktion und Seltene Erden sowie weitere Programme für die heimische Rohstoffindustrie. Washington begründet die Maßnahmen mit der hohen Importabhängigkeit bei strategischen Materialien und den damit verbundenen Risiken für Industrie und Verteidigung. Ein besonders weitreichendes Beispiel dafür ist der Einstieg in MP Materials (ISIN: US5533681012, WKN: A2QHVL). Der Betreiber der Mountain-Pass-Mine in Kalifornien steht im Zentrum der amerikanischen Strategie zum Aufbau einer eigenen Lieferkette für Seltene Erden und Permanentmagnete. Die staatliche Unterstützung zeigt, wie weit Washington inzwischen bereit ist, bei strategisch wichtigen Rohstoffen in die Finanzierung und industrielle Entwicklung einzugreifen. Damit verändert sich auch das Umfeld für privates Kapital. Staatliche Beteiligungen, Kredite, Garantien und Abnahmevereinbarungen können einen Teil der Risiken großer Rohstoffprojekte auffangen und zusätzliche Investitionen mobilisieren.
Auch Private Equity finanziert neue Lieferketten
Wie groß diese Summen inzwischen werden können, zeigt der geplante Einstieg eines von den USA unterstützten Konsortiums um Orion Resource Partners bei Glencore (ISIN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV). Orion und Glencore unterzeichneten im Februar eine unverbindliche Absichtserklärung über den möglichen Erwerb von 40 % an Glencores Beteiligungen an Mutanda Mining und Kamoto Copper Company in der Demokratischen Republik Kongo. Beide Unternehmen gehören zu den bedeutenden Kupfer- und Kobaltproduzenten des Landes. Der geplanten Transaktion liegt für die beiden Assets ein kombinierter Unternehmenswert von rund neun Milliarden US-Dollar zugrunde. Die Struktur des Deals geht über eine klassische Finanzbeteiligung hinaus. Das Orion-Konsortium soll das Recht erhalten, seinen entsprechenden Anteil an der Produktion an ausgewählte Abnehmer zu vermarkten. Die Transaktion steht damit unmittelbar im Zusammenhang mit der strategischen Partnerschaft zwischen den USA und der Demokratischen Republik Kongo und soll den Zugang der Vereinigten Staaten und ihrer Partner zu kritischen Rohstoffen verbessern. Orion selbst plant gemeinsam mit Partnern Investitionen in Milliardenhöhe in den Rohstoffsektor. Gründer und CEO Oskar Lewnowski sieht in der Verbindung von Regierungen und privatem Kapital ein Modell für die Finanzierung neuer Lieferketten. Nach seiner Einschätzung benötigt der globale Bergbau in den kommenden fünf Jahren mindestens 800 Milliarden US-Dollar an neuen Investitionen, um den wachsenden Bedarf an kritischen Mineralien zu decken.
Kapital erreicht die nächste Projektgeneration
Die Entwicklung beschränkt sich inzwischen auf keinen einzelnen Rohstoff. Auch bei Lithium werden große Finanzierungen für zusätzliche Produktionskapazitäten abgeschlossen. Lithium Argentina (ISIN: CH1403212751, WKN: A4111M) etwa meldete Anfang August neue Kreditfazilitäten über insgesamt 220 Millionen US-Dollar für Cauchari-Olaroz in Argentinien. Davon entfallen 170 Millionen US-Dollar auf eine dreijährige Fazilität eines Konsortiums internationaler Banken. Die Finanzierung wird durch eine Garantie des chinesischen Lithiumkonzerns Ganfeng unterstützt. Die Mittel stärken den finanziellen Spielraum für die geplante zweite Entwicklungsstufe. Lithium Argentina arbeitet daran, die Produktionskapazität bei Cauchari-Olaroz um weitere 45.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent pro Jahr zu erweitern. Das Projekt hat bereits die RIGI-Zulassung erhalten; technische und ingenieurwissenschaftliche Arbeiten für die Expansion laufen. Solche Finanzierungen zeigen, worauf Investoren bei kritischen Rohstoffen zunehmend achten: Neben der Ressource gewinnen der Entwicklungsstand, strategische Partner, Verarbeitungskapazitäten und der Zugang zu Kapital an Bedeutung.
Electric Metals setzt auf Mangan made in USA
Besonders ausgeprägt ist die amerikanische Importabhängigkeit bei Mangan. Die USA verfügen derzeit über keine eigene Manganproduktion und sind beim Metall vollständig auf Importe angewiesen. Gleichzeitig wird Mangan für Stahl, Batterien, Energiespeicher, Verteidigungsanwendungen und weitere industrielle Prozesse benötigt. In diesem Umfeld entwickelt Electric Metals (ISIN: US2848981039, WKN: A41ZEN) das North Star Manganprojekt. Im Mittelpunkt steht die Emily-Lagerstätte in Minnesota, die als höchstgradige Manganlagerstätte Nordamerikas gilt. Das Konzept sieht eine vollständig amerikanische Lieferkette vor: Manganerz aus Minnesota soll innerhalb der USA zu hochreinem Mangansulfat-Monohydrat (HPMSM) verarbeitet werden, das unter anderem für Lithium-Ionen-Batterien benötigt wird. Die 2025 veröffentlichte Preliminary Economic Assessment (PEA) für North Star weist im Basisszenario einen Kapitalwert nach Steuern von 1,39 Milliarden US-Dollar, einen internen Zinsfuß von 43,5 % und eine Amortisationszeit von 23 Monaten ab Produktionsbeginn aus. Die anfänglichen Investitionskosten wurden mit rund 474,8 Millionen US-Dollar angesetzt. Die PEA basiert auf langfristigen Preis- und Kostenannahmen und stellt damit eine wirtschaftliche Modellrechnung für die weitere Projektentwicklung dar.
Electric Metals arbeitet inzwischen auch an der nachgelagerten Verarbeitung weiter. Im Mai startete das Unternehmen eine zusätzliche PEA für geplante HPMSM- und EMM-Verarbeitungskapazitäten. Untersucht wird dabei unter anderem eine mögliche Anlage an der US-Golfküste. Das Unternehmen will damit die gesamte Kette von der Lagerstätte bis zu hochreinen Manganprodukten innerhalb der Vereinigten Staaten abbilden. Parallel zur Planung der nachgelagerten Verarbeitung arbeitet Electric Metals an der Optimierung des Ausgangsmaterials aus Emily. Eine Ende Juni veröffentlichte Erzsortierungsanalyse lieferte dafür erste technische Anhaltspunkte. In der Simulation konnte Material mit einem durchschnittlichen Mangangehalt von rund 8,2 % auf etwa 17,5 % Mangan aufgewertet werden. Dabei konnten rund 57 % des Ausgangsmaterials vor der weiteren Verarbeitung aussortiert werden, während etwa 92 % des enthaltenen Mangans erhalten bleiben. Damit arbeitet Electric Metals gleichzeitig an mehreren Bausteinen des North-Star-Konzepts: der Entwicklung der Emily-Lagerstätte, der Optimierung des Materials und der Planung einer amerikanischen Verarbeitungskette für hochreine Manganprodukte.
Fazit: Kapital entscheidet über neue Lieferketten
Der Aufbau westlicher Lieferketten für kritische Rohstoffe entwickelt sich zunehmend zu einer Finanzierungsfrage. Lagerstätten müssen erschlossen, Verarbeitungsanlagen gebaut und neue industrielle Kapazitäten geschaffen werden. Die dafür erforderlichen Investitionen gehen weit über klassische Explorationsbudgets hinaus. Die jüngsten Entscheidungen in Washington zeigen, dass Regierungen einen größeren Teil dieser Entwicklung strategisch begleiten und teilweise direkt finanzieren. Private-Equity-Gesellschaften, Banken, Rohstoffkonzerne und industrielle Partner ergänzen dieses Kapital. Dadurch können Projekte vorankommen, deren Rohstoffe für Batterien, Stromnetze, Rechenzentren, Verteidigung und moderne Industrie benötigt werden. Für Projektentwickler gewinnen damit entscheidende Faktoren an Bedeutung: neben einer robusten Ressource, definieren überzeugende technische Daten und ausreichend Kapital die nächsten Entwicklungsstufen. Gerade bei kritischen Rohstoffen mit hoher Importabhängigkeit wird die strategische Einordnung eines Projekts bei künftigen Finanzierungsentscheidungen eine immer größere Rolle spielen.
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