Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Strecke zwischen München und Berlin ganz entspannt in dreißig Minuten zurücklegen. Zum Meeting oder um die Familie zu besuchen in die Hauptstadt und am selben Tag wieder zurück. Mit der von Tesla-Visionär Elon Musk forcierten Hyperloop-Technologie könnte dies schon bald Wirklichkeit werden. Medienberichten zu Folge ist sogar die Lufthansa schon neugierig geworden und spielt erste Gedankenexperimente rund um Hyperloop durch.

Dass die Hyperloop-Technologie alles andere als ein Hirngespinst ist, zeigt die kürzlich eröffnete Teststrecke in der Wüste von Nevada. Auf lediglich 500 Metern will Betreiber Hyperloop One testen, ob die Technologie in Serie gehen kann. Dazu wird in einer Röhre ein Unterdruck erzeugt und eine Kapsel auf Schienen auf mehr als 1.200 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Doch ob sich die Erkenntnisse der Teststrecke so schnell auf den Normalbetrieb übertragen lassen? Immerhin liegen zwischen Berlin und München knapp 600 Kilometer.

Große Unternehmen offen für Innovationen

Obwohl Kritiker von Hyperloop und dessen Gründer Elon Musk Fantasterei vorwerfen, setzen sich etablierte Unternehmen wie die Lufthansa mit der neuen Technologie auseinander. Dies zeigt, dass immer mehr klassische Konzerne auf der Suche nach moderner Technologie sind, um auch in Zukunft Umsätze zu erzielen. Um einen großen Konzern fit für die Zukunft zu machen, sind in erster Linie konkurrenzfähige Produkte nötig. Stand heute können Großunternehmen wie die Lufthansa mit ihrem Angebot am Markt punkten. Doch in Zeiten revolutionärer Neuerungen können selbst milliardenschere Konzerne schnell den Anschluss verlieren – man denke an Kodak oder auch AOL. Aus diesem Grund ist es für Unternehmen wichtig, sich mit dem technologischen Wandel auseinanderzusetzen. Die Zeiten, in denen neue Ideen belächelt wurden, sind vorbei.

Gerade kleineren Unternehmen eröffnet dieser Paradigmenwechsel große Chancen. Während Großkonzerne zwar große Budgets aber oftmals wenig Innovationskraft bieten, kombinieren kleine Gesellschaften Gründergeist und Improvisationstalent. Das Interesse der Lufthansa an der Hyperloop-Technologie zeigt, dass selbst Ansätze, die noch nicht marktreif sind, die Aufmerksamkeit etablierter Unternehmen auf sich ziehen. Die Chance, dass kleinere Unternehmen mit aussichtsreichen Plänen und wegweisenden Patenten künftig bereits in der Frühphase ihres Schaffens von großen Spielern am Markt übernommen werden, ist heute so groß wie noch nie.

Technologie sorgt für Kursfantasie

Grund dafür ist einerseits der oben angeführte Innovationsdruck: Konzerne sind sich dem technologischen Wandel bewusst und legen alles daran, auch künftig konkurrenzfähig zu sein oder neue Marktanteile zu gewinnen. Hinzu kommt die wachsende Kapitalausstattung großer Unternehmen. 2017 werden große Aktiengesellschaften in Deutschland mehr als vierzig Milliarden Euro an Aktionäre ausschütten. Dies tun sie zwar einerseits, um die eigene Aktie in Zeiten der Niedrigzinsen attraktiv zu halten, andererseits aber auch mangels Alternativen. Während der vergangenen Jahre waren Unternehmen bei Übernahmen und anderen Investitionen noch vergleichsweise zurückhaltend. Doch bereits seit dem Jahreswechsel verzeichnen Experten wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung einen fulminanten Anstieg der Übernahmen und Fusionen. Hält das hohe Niveau noch etwas an, könnte sogar der gleitende Zwölf-Monats-Durchschnitt des ZEW-ZEPHYR M&A-Index, welcher die Übernahmeaktivität misst, über das Niveau des Jahres 2009 steigen.

Insbesondere Anleger, die sich auf kleinere Gesellschaften spezialisiert haben, können angesichts dieser Entwicklung von einer gesteigerten Kursfantasie ausgehen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die eigene Investition technologisch gesehen ins Portfolio eines Großkonzerns passt. Mögliche Übernahmeziele könnten Innovationstreiber rund um die Branchen Pharma- und Biotechnologie, Elektromobilität und autonomes Fahren sowie Datenbanken sein.

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