In vielen Bereichen kann die Wasserstofftechnologie einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung liefern. Speziell die steigende Stromproduktion aus Wind und Sonne bietet hierbei Chancen. Seit den Rekordständen Anfang 2021 haben Wasserstoffaktien wieder deutlich an Wert verloren. Wir werfen in diesem Artikel daher einen genaueren Blick auf die interessantesten Wasserstoffaktien.

Gewisse Schwerpunkte unter den Wasserstoffunternehmen bilden Hersteller von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen, weil es sich dabei um zentrale Bestandteile der Wasserstoffindustrie handelt. Viele Unternehmen sind aber mit ihren Produkten derzeit noch nicht profitabel. Es bleibt an der Börse eine spekulative Wette, ob Wasserstoffaktien den Durchbruch schaffen und international auch auf Dauer wettbewerbsfähig sein werden.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) aus der klassischen Fundamentalanalyse liefert einen Anhalt zur Bewertung einer Aktie, wenn das Unternehmen (noch) keine Gewinne macht. Ein KUV unter 1 gilt allgemein als günstig. Bereits ab einem Faktor von 1,5 kann eine Aktie als teuer angesehen werden. Wasserstoffaktien ohne operative Überschüsse im Ergebnis lagen zu Jahresbeginn 2021 mitunter bei KUVs von um die 40, manche sogar dreistellig, was das einstige und auch noch gegenwärtig hohe Spekulationsniveau in diesen Werten deutlich widerspiegelt. Investments in solche Aktien sind also grundsätzlich spekulativer Natur. Eine deutlich erhöhte Nachfrage nach grünem Wasserstoff ist außerdem erst in einigen Jahren und in der späteren Zukunft erwartbar.

Nachfolgend stellen wir die aussichtsreichsten Wasserstoffaktien vor. Die aufgeführten Werte dienen dem Marktüberblick und sind nicht als Anlageempfehlung zu verstehen.

Nel ASA (ISIN: NO0010081235 / MCap 2,6 Mrd. EUR) ist gemessen am Umsatz 2020 der weltweit größte Hersteller von Elektrolyseuren. Das norwegische Unternehmen produziert mit alkalinen wie auch mit Proton Exchange Membrane (PEM)-Elektrolyseuren Geräte für beide derzeit kommerziell gängigen Verfahren der Wasserelektrolyse. Nel bietet neben Lösungen für die Herstellung von Wasserstoff durch elektrische Energie auch Verfahren für dessen Speicherung und Verteilung an (Wasserstofftankstellen). Die Aktie von Nel zählt zu den meistgehandelten Aktien in Deutschland und ist daher stark im Fokus der Anleger. Operativ tut sich das Unternehmen aber immer noch schwer. 2020 stieg der Umsatz um 14% auf 652 Mio. NOK (ca. 67 Mio. EUR). Operativ erhöhte sich der Verlust damals um mehr als die Hälfte auf -414 Mio. NOK. In den aktuellen 9M-Zahlen 2021 wurde der Umsatz um 30% auf ein Rekordniveau von 550 Mio. NOK (ca. 57 Mio. EUR) ausgeweitet. Das operative Ergebnis verschlechterte sich wiederum von -275 Mio. NOK auf -386 Mio. NOK. Das Nettoergebnis lag bei -1,4 Mrd. NOK (-144 Mio. EUR). Der Aktienkurs hat sich seit den Höchstständen zum Jahreswechsel 2021 inzwischen mehr als halbiert. Das KUV21e liegt um die 33.

Mit über 17,3 Mrd. EUR Marktkapitalisierung ist Plug Power (ISIN: US72919P2020) das Schwergewicht unter den Pure Playern im Wasserstoffmarkt. Das US-amerikanische Unternehmen erwirtschaftet überwiegend mit PEM-Brennstoffzellen Umsätze, liefert aber auch Wasserstoff. Darüber hinaus wird auch Infrastruktur zur Wasserstoffspeicherung und dessen Betankung angeboten. Zusätzlich zur Marktkorrektur kam im März 2021 Unruhe auf, als man die Geschäftszahlen seit 2018 korrigieren musste. 2020 lag der Verlust des Unternehmens dann schließlich bei -596 Mio. USD. Im ersten Halbjahr 2021 konnte der Umsatz mit knapp 200 Mio. USD zwar um 80% gesteigert werden. Der Periodenverlust erhöhte sich aber auch deutlich auf über -160 Mio. USD. Die Wachstumserwartungen an Plug Power sind hoch. In Zukunft soll auch das Geschäft mit PEM-Elektrolyseuren ausgebaut werden. Das KUV21e liegt bei etwa 45. Die Aktie scheint nach einer Kurshalbierung inzwischen einen Boden gefunden zu haben.

Die kanadische Ballard Power Systems (ISIN: CA0585861085 / MCap 4,2 Mrd. EUR) ist ein führender PEM-Brennstoffzellenhersteller. Der Fokus des Unternehmens liegt im Einsatz der Technologie im Schwerlastverkehr, bei Zügen, Schiffen und in stationären Speichersystemen. In Deutschland bestehen z.B. Kooperationen mit VW, Audi oder Siemens. Bei Umsätzen von knapp 104 Mio. USD erzielte man 2020 einen gestiegenen Verlust von über 51 Mio. USD. Auch die Halbjahreszahlen 2021 waren erneut schwächer. Die Umsätze fielen leicht auf knapp 43 Mio. USD bei einem erhöhten Periodenverlust von über -39 Mio. USD. Das KUV21e liegt damit bei etwa 54.

Die kalifornische Bloom Energy (ISIN: US0937121079 / MCap 4,2 Mrd. EUR) bietet mit dem Bloom Energy Server eine stationäre Stromversorgung aus Erdgas, Biogas und/oder Wasserstoff mittels Brennstoffzellen an. Dabei handelt es sich um Hochtemperatur- bzw. Festoxid-Brennstoffzellen. Ab 2022 sollen darüber hinaus auch Elektrolyseure auf Festoxidbasis zur Wasserstoffherstellung kommerziell vertrieben werden, die einen höheren Wirkungsgrad als konventionelle alkaline oder PEM-Elektrolyseure versprechen. Zu den Kunden von Bloom zählen Honda, Google, Yahoo, Adobe, FedEx, Panasonic, Walmart, IKEA, IBM oder Lockheed Martin. Nach einem Deal mit der südkoreanischen SK Ecoplant war der Kurs zuletzt stärker gestiegen. Der Umsatz soll nach Unternehmensangaben im aktuellen Geschäftsjahr 2021 auf 950 Mio. bis 1 Mrd. USD wachsen. Der 6M-Umsatz 2021 stieg auf 422 Mio. USD (+22%), der Periodenverlust reduzierte sich auf -78,8 Mio. USD (Vorjahr: -118 Mio. USD). Das KUV21e liegt somit um 5.

ITM Power (ISIN: GB00B0130H42 / MCap 3,1 Mrd. EUR) mit Sitz in Sheffield/England stellt PEM-Elektrolyseure zur Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser her. Laut eigenen Angaben betreibt man die weltweit größte Produktionsanlage mit einer jährlichen Produktionskapazität von 1 Gigawatt, die 2022 erreicht werden sollen. Im Geschäftsjahr 2020/21 stieg der Umsatz um 30% auf 4,3 Mio. GBP. Der Verlust war leicht rückläufig auf -27,8 Mio. GBP. Der Cashbestand belief sich auf 176 Mio. GBP. Aktuell wurde eine Kapitalerhöhung von 250 Mio. GBP angekündigt, woran sich auch der strategische Partner Linde beteiligen soll. Mit Linde besteht ein Joint Venture zum Bau der weltweit größten PEM-Elektrolyseuranlage mit 24 MW in Leuna. Im Wesentlichen sollen durch die Kapitalerhöhung neue Anlagen mit jährlichen Produktionskapazitäten von 5 Gigawatt bis 2024 gebaut werden. Auch mit einer angenommenen Umsatzverdopplung liegt das KUV21/22e immer noch zwischen 200-300.

FuelCell Energy (ISIN: US35952H6018 / MCap 2,3 Mrd. EUR) ist ein US-amerikanischer führender Anbieter von Brennstoffzellenplattformen, die inzwischen auf drei Kontinenten betrieben werden. Von der Technologie her werden Schmelzkarbonat-Brennstoffzellen eingesetzt. Das Unternehmen ist ein direkter Wettbewerber von Bloom Energy. Zu den Kunden zählen Pfizer, ExxonMobil, Toyota oder E.ON. Sogar das Berliner Bundesbildungsministerium wurde bereits vor Jahren zur (teilweisen) Stromversorgung mit einem Brennstoffzellenkraftwerk von FuelCell Energy ausgestattet, das in Deutschland hergestellt wurde. Der 9M-Umsatz 2021 stieg leicht auf 55,7 Mio. USD (+3%), der Periodenverlust vergrößerte sich ebenfalls leicht auf -79,3 Mio. USD. Der Cashbestand lag bei gut 470 Mio. USD. Das KUV21e liegt um 35.

PowerCell Sweden (ISIN: SE0006425815 / MCap 976 Mio. EUR) mit Sitz in Göteborg ist ein Hersteller von PEM-Brennstoffzellen. Diese werden für stationäre oder mobile Anwendungen im Automobil- und Nutzfahrzeugbereich oder in der Schifffahrt eingesetzt. Das Unternehmen ist damit ein europäischer Konkurrent von Plug Power oder Ballard Power. PowerCell Sweden ist Teil des Autostack-Projekts, zu dem auch BMW, Daimler, Ford, VW oder Audi gehören. Dabei sollen Brennstoffzellen-Stacks zur Industrialisierungsreife gebracht werden. Darüber hinaus ist Bosch ein Partner von PowerCell. Der 6M-Umsatz 2021 lag bei 57,9 Mio. SEK (5,8 Mio. EUR) (+18%), der Periodenverlust blieb mit -42,4 Mio. SEK nahezu unverändert. Das KUV21e liegt um 80.

Hexagon Purus ASA (ISIN: NO0010904923 / MCap 676 Mio. EUR) ist ein norwegischer Anbieter von Wasserstoffsystemen vor allem im Verkehrsbereich. Dazu zählen führende Zylinder- und Speichersysteme oder Verteilungsmodule bis hin zu kompletten Fahrzeugsystemen mit Brennstoffzellen oder auch rein elektrischen Lösungen. Mit Air Liquide besteht eine Kooperation bei Transportzylindern für Wasserstoff. Der HJ21-Umsatz des Unternehmens stieg deutlich auf 146 Mio. NOK (15 Mio. EUR) (+54%). Gleichzeitig wurde aber der Periodenverlust weiter von -148 auf -187 Mio. NOK (-19 Mio. EUR) erhöht. Bei einer Umsatzverdopplung im Gesamtjahr 2021 liegt das KUV21e bei 18.

Die französische McPhy Energy (ISIN: FR0011742329 / MCap 645 Mio. EUR) ist umsatzmäßig noch ein kleiner Anbieter in den Bereichen alkalische Elektrolyseure und Wasserstofftankstellen. Zum Halbjahr 2021 wurde ein leichtes Umsatzplus auf 6,0 Mio. EUR erreicht. Der Verlust lag gleichzeitig bei -8,5 Mio. EUR. Das KUV21e liegt leicht unter 60. Im letzten Jahr war die Aktie stark angestiegen und verharrte bis vor kurzem noch in einer gewissen Abwärtsdynamik.

SFC Energy (ISIN: DE0007568578 / MCap 446 Mio. EUR) mit Sitz in Brunnthal bei München ist ein führender Anbieter von Direktmethanol- und PEM-Wasserstoff-Brennstoffzellen für stationäre und mobile Hybrid-Stromversorgungslösungen. Mit Nel ASA besteht eine Kooperation für ein integriertes Elektrolyseur- und Wasserstoff-Brennstoffzellensystem. Langjähriger Partner ist außerdem Toyota. Zum Halbjahr 2021 wurde ein Umsatzplus von 12% auf 31,1 Mio. EUR verzeichnet. Der Verlust von -4,4 Mio. EUR blieb nahezu unverändert zur Vorjahresperiode. Das KUV21e liegt etwa bei 6.

Wasserstoffaktien sind ein Megatrend für die kommende Energiewende und bleiben in jeden Fall für spekulativ orientierte Anleger weiterhin sehr spannend. Ob und wann es zum nächsten Hype dieser Branche kommt, hängt letztlich im Wesentlichen auch davon ab, wie nachhaltig die regulatorischen Rahmenbedingungen hin zur grünen Energiewende von der Politik vorangetrieben werden. Wir werden das Thema daher weiter mit Interesse verfolgen und halten in diesem Sektor regelmäßig auch Ausschau nach interessanten Neueinsteigern.

Verfasst von nebenwerte ONLINE Redaktion

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